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Aus aller Welt zur WM 2006 nach Deutschland
Flugpassagiere sterben am „Touristenklassen-Syndrom“
Brühler Orthopäde Dr. Merkle gibt Tipps zur Vorbeugung

Mir fällt  immer wieder ein ganz persönliches Erlebnis ein, das zunächst einen sehr ernsten Hintergrund hatte, dann aber doch noch glücklich ausging und schließlich sogar zum „Running Gag“ wurde. Es war nach einem Abenteuerurlaub in Alaska mit drei Freunden. Ganz schön stressig war die Tour mit Rafting, Trecking und Bärenjagd (nur mit dem Objektiv). Hans, mit 50 der älteste im Quartett, war körperlich ziemlich platt, als wir nach vier Wochen in Anchorage zum Rückflug in die Maschine stiegen. Knapp kalkuliert war unser Budget, so dass wir in der Economy-Class flogen. Und genau das ist Hans schließlich zum Verhängnis geworden. Doch eins nach dem anderen. 14 Stunden Flug hatten wir vor uns. Und der müde Trapper Hans genehmigte sich erst einmal einen kräftigen Schlaftrunk, echten Alaska-Whiskey. Kaum waren wir in der Luft, fing Hans schon an zu sägen wie ein kanadischer Holzfäller. Bis zur Landung in Frankfurt war Hans nahezu regungslos im Sitz versunken. Doch der lange Schlaf war für seinen Körper ganz und gar keine Erholung. Im Gegenteil: das bewegungslose Verharren über Stunden hinweg in einer Zwangshaltung ist regelrechter Stress für die Blutbahnen. Gleichwohl kam der Steuerbeamte Hans zunächst scheinbar gut erholt zu Hause an. Doch dann, nur zwei Tage später, war es mit der Fitness vorbei: Hans brach im Büro an seinem Schreibtisch zusammen. Mit dem Notarzt musste er ins Krankenhaus gebracht werden, fünf Tage lag er auf der Intensivstation. Eine schwere Thrombose im rechten Bein hatte eine fulminante lebensbedrohliche Lungenembolie verursacht. Niemand konnte sich zunächst einen Reim darauf machen, zumal sich Hans nach seinem Abenteuerurlaub körperlich fit wie lange nicht mehr gefühlt hatte. Doch ein aufmerksamer Kollege Sportmediziner hatte schließlich die richtige Vermutung mit seiner Diagnose „Flugzeug-Thrombose“.

Zu geringe Beinfreiheit in der Touristenklasse der Airlines, lange Flugzeiten und fehlende Bewegung werden nach neuesten Studien weltweit mit dem Tod von Flugpassagieren in Verbindung gebracht. Nach mehreren Stunden in den engen Sitzen kann das Blut bei ungünstigen körperlichen Voraussetzungen in den Beinvenen Klumpen bilden. Erreichen diese pfropfenartigen Ablagerungen erst einmal die Lunge, endet die Thrombose unter Umständen tödlich. Alleine in Australien, so eine offizielle Studie, sollen im vergangenen Jahr 18 Menschen an diesem sogenannten „Touristenklasse-Syndrom“ gestorben sein. Selbst austrainierte Hochleistungssportler waren bereits betroffen. Drei britische Olympioniken erlitten nach dem Rückflug von den Olympischen Spielen in Sydney ein Touristenklassen-Syndrom. Übrigens: Auch „Vor-dem-Computer-Dauerhocker“ sind in ähnlicher Weise bedroht von der gefährlichen Beinvenen-Thrombose.

Aus medizinischer Sicht kann ich allen Patienten und Passagieren, die zu Thrombose neigen, folgende Tipps geben: Auf Langstreckenflügen ist auf Bewegung der Beine im Zwei-Stunden-Rhythmus zu achten. Dies erreicht man mit einem regelmäßigen Gang zu Toilette oder Getränkedepot. Überhaupt sollte man möglichst viel trinken und dabei auf alkoholische und coffeinhaltige Getränke verzichten. Durch Bein- und Fußkreisen lässt sich die Blutzirkulation in den Beinen auch im Sitzen steigern. Besonders gefährdete Patienten sollten die Kosten für einen komfortableren Flugsitz mit ausreichender Beinfreiheit auf keinen Fall scheuen. Hilfreich können auch Blutverdünner sein. Mit der Einnahme von Aspirin zwei bis drei Tage vor und nach Langstreckenflügen lässt sich ebenfalls der Flugzeug-Thrombose vorbeugen. Patienten mit Krampfadern sollten auf jeden Fall Kompressionsstrümpfe während der Flugreise tragen, um zu verhindern, dass sich in der Wade Wasser staut und der Lymphfluss gewährleistet ist.

Wie auch im Fall meines Freundes Hans ist Alkoholgenuss regelrechtes Gift für thromboseanfällige Passagiere. Alkohol birgt nicht nur die Gefahr des Dauerschlafs, sondern auch des körperlichen Austrocknens aufgrund der harntreibenden Wirkung. Denn zu wenig Flüssigkeit verursacht ein Eindicken des Blutes.

Hans hat das Touristenklassen-Syndrom schließlich doch noch gut überstanden. Die nächste Atlantik-Überquerung, so meinte er mal launig, werde er zwar wieder im Sitzen verbringen, aber dann strampeln – auf einem Tretboot ...


Dr.med.Emanuel Merkle

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